Linker Hand des Salle d’apparat befand sich in der oberen Etage ein weiteres repräsentatives Wohn- und Schlafkabinett, das durch seine Ausstattung deutlich dem gehobenen Wohnkomfort des adeligen Appartementsystems des 18. Jahrhunderts zuzuordnen ist. Der Raum verband private Wohnfunktion mit standesgemäßer Repräsentation und gehörte vermutlich zu den komfortableren Gäste- oder Familienzimmern innerhalb des Corps de Logis.

Die Wände waren mit insgesamt 30 Bahnen Satinade-Tapeten ausgestattet. Satinade bezeichnete eine glatte, fein glänzende textile Wandbespannung beziehungsweise Tapetenart, die im höfischen und adligen Interieur des 18. Jahrhunderts verbreitet war. Die große Anzahl der Bahnen zeigt, dass der Raum vollständig und vergleichsweise aufwendig ausgeschlagen war. Farbigkeit und Materialwirkung dürften dem Zimmer eine warme, elegante Atmosphäre verliehen haben.
Zentraler Ausstattungsgegenstand war ein gelb und rot gefasstes Doublett-Bett, das mit passenden Bassements – also dekorativen Posamenten und textilen Besätzen – versehen war. Die farblich abgestimmte Decke unterstrich den repräsentativen Charakter des Möbels. Die erhaltene Inventarbeschreibung dokumentiert darüber hinaus die vollständige Bettausstattung mit blau-weiß gestreiften Drell- und Barchenttextilien, mehreren Pfühlen und Kissen sowie einem Strohsack als Unterlage. Die Kombination aus dekorativer Ausstattung und funktionalem Bettzeug entspricht dem gehobenen Standard adliger Wohnräume der Zeit.
Die Möblierung umfasste zudem einen Spiegel mit Nussbaumrahmen, eine Nussbaumkommode, ein Sofa, zwei gepolsterte Lehnstühle mit gelb-rotem Brocadellbezug sowie vier einfachere Stühle. Besonders die Verwendung von Nussbaumholz verweist auf den Anspruch an Materialqualität und Repräsentation. Brocadellstoffe galten im 18. Jahrhundert als kostbare halbseidene Gewebe mit dekorativer Wirkung und wurden bevorzugt in repräsentativen Wohnräumen eingesetzt.
Bemerkenswert ist die umfangreiche bildliche Ausstattung des Zimmers. Mehrere Porträts hochrangiger Militärpersonen aus dem Umfeld der Familie von der Schulenburg schmückten die Wände. Genannt werden ein General der Infanterie Freiherr von der Schulenburg, ein Generalmajor Freiherr von der Schulenburg, ferner Obristlieutenant Haller sowie der Regiments-Quartiermeister Tissol. Die Bildausstattung verweist auf das militärische Selbstverständnis der Familie und ihre Einbindung in die europäische Offiziers- und Hofgesellschaft des 18. Jahrhunderts.
Über den Türen befanden sich zudem zwei Supraporten mit venezianischen Vedutenmotiven: dargestellt waren die Ponte di Rialto sowie die Kirche Santa Maria della Salute in Venedig. Solche italienischen Stadtansichten gehörten zum festen Bildkanon des europäischen Adels und spiegelten die kulturelle Orientierung an Italien als Zentrum von Kunst, Architektur und aristokratischer Bildung wider. Die Veduten verliehen dem Raum einen zusätzlichen kosmopolitischen und kunstsinnigen Charakter.

Supraporte Rialto Brücke im Appartment links dem Salle d'appart

Supraporte Maria de la salute im Appartment links dem Salle d'appart
Ergänzt wurde die Ausstattung durch vier Gardinen mit zwei Fallballas aus rot-gelb-weiß gestreifter Leinwand. Der Begriff bezeichnet dekorative textile Fensterabschlüsse beziehungsweise Volants, die gemeinsam mit den Vorhängen das Fenster als wichtigen Bestandteil der Rauminszenierung betonten. Farbigkeit und Stoffwahl waren offenbar bewusst auf die übrigen Textilien des Zimmers abgestimmt.
Insgesamt vermittelt das Inventar das Bild eines sorgfältig ausgestatteten adligen Wohnraumes, der Komfort, Repräsentation und familiäre Erinnerungskultur miteinander verband. Die Kombination aus hochwertigen Textilien, venezianischen Bildmotiven, militärischen Porträts und kostbaren Möbeln verweist auf ein Interieur, das zugleich privat genutzt wurde und dennoch den gesellschaftlichen Rang seiner Bewohner sichtbar machen sollte.