Wasserschloss Angern
Das Wasserschloss Angern wurde 1736 im Auftrag von Christoph Daniel v.d. Schulenburg im Rokoko-Stil erbaut und 1843 klassizistisch umformt.

Um 1200 gehörte es mit 9 Hufen und der Kirche dem Kloster Ammensleben. Als der Erzbischof im Jahre 1341 in Angern ein Schloß baute, mochte er den Wunsch haben, das Patronat der Kirche in Palnitz und Eigentum in jenem Orte zu bekommen. Wann das Dorf eingegangen ist, lässt sich nicht nachweisen, jedenfalls noch vor der Einführung der Reformation. Auch hier wird eine wendische Ansiedlung gewesen sein Im Jahre 1562 war es jedoch wüst.

Ein Dorf Briest wird im Jahre 1448 als zum Schloss Angern gehörig genannt, im Jahre 1477 aber als "Dorfstätte Briest" aufgeführt. Es muss also vor 1477 eingegangen sein. Vielleicht ist das kleine Dorf durch Feuer zerstört, und die wenigen Bewohner haben sich darauf in Angern und Wenddorf aufgebaut, In Angern gibt es heute noch den Familiennamen Briest. Die Vermutung liegt nahe, daß die Familie aus dem besagten Dorf Briest stammt. Auch dieser Ort ist eine wendische Ansiedlung gewesen. Den Namen aber hat es von den benachbarten Deutschen erhalten.

Die meisten Wenden sind durch Albrecht dem Bären vertrieben und neue Ansiedler vom Niederrhein und Holland hierher geholt worden. Es lässt sich nicht bestimmen, wann das Dorf entstanden, noch viel weniger, wer seine ersten Bewohner waren. Vielleicht reicht es mit seinen Anfängen bis in die ersten Jahrhunderte nach Chr. zurück.

An der Chaussee nach Rogätz liegt ein Feld, die "alte Dorfstätte" genannt. Ein Dorf hat einst dort gestanden, das deuten die Mauerreste an, auf die man beim Pflügen gestoßen ist. Ob die Bewohner von hier einst ihren Wohnsitz nach der jetzigen Dorfstelle verlegt haben, oder ob jenes Dorf das in den Lehnbriefen erwähnte Lutkow gewesen ist, darüber lässt sich nicht einmal eine Vermutung aufstellen.

Im Jahre 1160 wird ein Theoderich von Angern und 1217 ein Heinrich von Angern genannt. Da es in jener Zeit üblich war, als Zunamen den Namen des Wohnortes zu wählen, so werden diese Männer nach unserem Angern genannt sein und in Angern einen Edelhof besessen haben. Sollte jener Theoderich nicht ein Ritter aus dem Gefolge Albrecht des Bären oder ein Ansiedler aus dem Westen gewesen sein können, dem, wie dem Luder von Wenddorf eine größere Fläche zur Kultivierung übergeben wardt ?

Im 13. Jahrhundert war Angern ein Streitobjekt zwischen den Markgrafen und den Erzbischöfen von Magdeburg. Nachdem im Jahre 1336 Angern als Erzstift-Magdeburgische Besitzung ausdrücklich anerkannt war, suchte der Erzbischof alsbald es zu sichern und zu befestigen. Es war im Jahre I341. Kalte Herbstwinde haben das Laub der Bäume gefärbt und werfen es auf die Erde. Auf der Weide gehen die Viehherden, von alten Leuten und jungen Burschen gehütet. Klein und unscheinbar sind die Häuser in Angern. Sie haben keine Fenster, sondern nur Luken, die geöffnet werden, um Licht und frische Luft hereinzulassen. Auch der Schornstein fehlt; der Rauch zieht durch ein dazu angebrachtes Loch ab. Die Tür ist zweiteilig (wie man sie auf den Holzstichen von Ludwig Richter noch sieht). Tisch und Bänke an der Wand stehend und Bettstellen, in denen dicke Federbetten über das Strohlager gebreitet sind, bilden die hauptsächlichste Einrichtung. Das Dach besteht aus Stroh, Rohr oder Heidekraut, welches mit Weidenruten befestigt ist. Mehr als das kleine Feuer auf dem Herde, mit welchem man die Speisen bereitet, trägt das Vieh, welches unter demselben Dache untergebracht ist, zur Erwärmung im Winter bei.

Ein rühriges Treiben herrschte an der Stätte, wo das jetzige Schloss steht. Erzbischof Otto von Magdeburg läßt eine Burg bauen, und seine Dienstpflichtigen aus Angern, Wenddorf, Mahlwinkel u. a. sind in voller Arbeit. Die Voigte, welche die Arbeiten überwachten und leiteten, treiben zur Eile; der Erzbischof hat sich zu einem Besuch angekündigt. Die Burg, später Schloss genannt, war gebaut und hat Jahrhunderte hindurch bestanden.

Einige Jahre nach dem Bau der Burg kam von Süden die Pest auch ins deutsche Land. Ob sie damals auch in Angern und Wenddorf geherrscht hat, darüber ist keine Nachricht erhalten. Einige Jahrzehnte später. Auf der Burg in Angern haust Gebhard von Alvensleben oder von Klötze, wie er auch genannt wird. Er ging auf Raub aus; die in der Nähe Angern vorbeiführende Heerstraße von Magdeburg durch die Altmark war oft Schauplatz von Überfällen auf die Magdeburger Handelsleute durch von Alvensleben und seinen Knechten. Mehrere Raubüberfälle mit reicher Beute auf Kaufleute wurden verübt. In Magdeburg spie man Gift und Galle; als man von den Überfällen härte. Man beschloss, dem Ritter, der solches verübt, zu Leibe zu gehen. Am Abend vor Himmelfahrt sah Gebhard von Alvensleben-Klötze seine Burg von gewappneten Kriegsknechten umstellt. Am folgenden Tage war er genötigt, die Burg für 400 Mark Silber den Bürgern von Magdeburg abzutreten. Von diesen erhielt sie der Erzbischof als sein Lehngut gegen eine Zahlung von 900 Mark zurück.

Bald nach dieser Zeit besaß die Familie von Rengerslage Angern als Lehngut oder Pfandgut. Später erhielt es Sander von Hemmersdorf, welcher dem Erzbischof Kriegsdienste in der Mark geleistet hatte und in Gefangenschaft geraten war. Nach diesem sind Dietrich von Zerbst und zwei Ritter von der Schulenburg Pfandinhaber. Im Jahre 1448 werden die Gebrüder von der Schulenburg mit dein Schloß Angern beliehen; seit dem ist Angern in den Händen der Familie von der Schulenburg bis zum Jahre 1945.

Es bestand damals aus drei Gütern: Schloß Angern, Vergunst und der "alte Hof". Vergunst, welches ebenfalls von einem Burggraben umgeben war, lag früher außerhalb des Dorfes, später infolge der Ausdehnung des Dorfes am Ende desselben, jetzt im Dorfe. Hier mögen einige Bemerkungen über das Dorfleben am Ausgange des Mittelalters Platz finden: Ìber die Beschaffenheit der Häuser ist schon einiges gesagt. Die Höfe mögen damals, weil Holz reichlich vorhanden war, mit Planken- oder Reisigzäunen umgeben gewesen sein. Schon gab es gegrabene Brunnen, und die großen Brunnenschwengel, die man hier und da noch im 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts sah, hat man schon damals gekannt.

Außerhalb des Hofes (meist im Garten) stand der runde Backofen. Dem Acker wurde eine sorgfältige Bearbeitung zu Teil; Steine und wildes Gestrüpp wurden entfernt, und die Erdschollen mit dem hölzernen Schläger zerkleinert. Das Getreide wurde mit dem Dreschflegel ausgeschlagen. Auf der Feldmark waren Grenzsteine gesetzt und wurden sorgfältig beachtet. Es kam vor, daß beim Setzen der Grenzsteine den anwesenden Knaben eine Maulschelle erteilt wurde, damit sie sich die Lage der Steine genau merken. Schwere Strafe traf die, welche die Grenzsteine verrückten.

> Angern anno 1840 ... (1816-1904)

Aus dem Heft zur Heimatkunde von 1905
aus: Tangerhütter Lokalanzeiger, März 2003

In jedem Jahrhundert erlebt die Familie von der Schulenburg und das Haus in Angern bedeutende Veränderungen, doch sie lassen sich nie entmutigen – immer wieder gelingt ein entschlossener Neuanfang gemäß dem Leitsatz "Halte fest was Dir vertraut". Bis 11. Jahrhundert , 12. Jahrhundert , 13. Jahrhundert , 14. Jahrhundert , 15. Jahrhundert , 16. Jahrhundert , 17. Jahrhundert , 18. Jahrhundert , 19. Jahrhundert , 20. Jahrhundert , 21. Jahrhundert .
Schloss Angern in der Altmark dokumentiert in besonderer Weise die Entwicklung adeliger Bau- und Lebensformen vom Spätmittelalter bis in das 19. Jahrhundert. Die Anlage ging aus einer um 1340 entstandenen Wasserburg hervor, wurde ab 1738 unter Christoph Daniel von der Schulenburg (1679-1763) zu einem barocken Gutsschloss ausgebaut und um 1845 unter Edo Friedrich Christoph Daniel (1816-1904) klassizistisch überformt. Hauptburginsel (Kernburg) der Burg Angern , Die Turminsel der Burg um 1350 , Vorburg der , erhaltene Tonnengewölbe im Palas , barocke Raumfolgen und klassizistische Fassadengestaltung bilden ein vielschichtiges Ensemble, in dem Wehrfunktion, gutsherrliche Repräsentation, Verwaltung und Wohnkultur räumlich ablesbar bleiben.
Die Nutzung des ab 1738 neu errichteten Herrenhauses in Angern unter General Christoph Daniel von der Schulenburg lässt sich im Kontext mitteldeutscher Adelsresidenzen des 18. Jahrhunderts als charakteristisches Beispiel barocker Gutshausarchitektur interpretieren. Das Schloss erfüllte nicht allein praktische Wohn- und Wirtschaftsaufgaben, sondern fungierte zugleich als räumlich inszenierter Ausdruck adeliger Herrschaft, sozialer Ordnung, dynastischer Erinnerung und international geprägter Hofkultur. Das General-Inventarium von 1752, angelegt auf Befehl Christoph Daniels, erlaubt eine außergewöhnlich genaue Annäherung an die innere Struktur des Hauses. Es dokumentiert nicht nur Möbel, Textilien, Gemälde, Silber, Waffen, Bücher und Hausgerät, sondern auch die funktionale Ordnung der Räume. Dadurch wird erkennbar, dass das Schloss in Bereiche der Wohnnutzung , herrschaftlichen Verwaltung , Repräsentation , Sammlungspräsentation , Hauswirtschaft und dynastischen Memorialkultur gegliedert war. Rekonstruktion des Raumes links neben dem Gartensaal um 1750
Die bauliche Umgestaltung des Herrenhauses in Angern in den Jahren um 1843 markiert einen tiefgreifenden Wandel in der Nutzung und Raumordnung des Hauses. Unter den Nachfahren des Generals Christoph Daniel von der Schulenburg wurde das barocke Erscheinungsbild durch klassizistische Elemente überformt, die sich sowohl in der Fassadengestaltung als auch in der Raumgliederung widerspiegeln.Es dominierte eine hell verputzte Fassade und eine vereinfachte Tür- und Fensterrahmung. Diese Elemente spiegeln die Orientierung am Ideal der "edlen Einfachheit" wider, wie sie seit Winckelmann als Leitbild klassizistischer Baukunst galt. Dieser Umbau ist im Kontext der Adelsgeschichte des 19. Jahrhunderts als Ausdruck einer funktionalen Anpassung und bürgerlich geprägten Repräsentationskultur zu verstehen. Der Raum links neben dem Gartensaal Anfang des 20. Jahrhunderts (KI coloriert)
Die kulturhistorische Bedeutung von Schloss und Burg Angern erschließt sich nicht allein aus einzelnen Kunstwerken, Möbeln oder Baubefunden, sondern vor allem aus dem außergewöhnlich dichten Zusammenhang zwischen Architektur, Raumstruktur, Landschaft, Nutzungsgeschichte, archivalischer Überlieferung und historischer Ausstattung. Die Anlage besitzt ihre besondere Aussagekraft gerade dadurch, dass zahlreiche dieser Ebenen bis heute miteinander in Beziehung stehen und gemeinsam ausgewertet werden können.
Ein Bau im Schatten der Mängel: Der Schlossneubau in Angern 1737–1739 als Spiegel barocker Baupraxis: Der barocke Neubau des Schlosses Angern in den Jahren 1737 bis 1739 stellt ein instruktives Beispiel für die Spannungsfelder adeliger Repräsentation, wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und administrativer Kontrolle im 18. Jahrhundert dar. Die erhaltenen Berichte von Oberamtmann Croon an Christoph Daniel von der Schulenburg (Rep. H Angern Nr. 336) erlauben eine detailreiche Rekonstruktion des Baugeschehens, die sowohl Planungs- und Ausführungsmängel als auch die sozialen und strukturellen Rahmenbedingungen offenlegen. KI generierte Ansicht von Schloss Angern um 1750
Vom höfischen Tableau zur rationalisierten Wohnwelt: Die Wohn- und Funktionsräume des Schlosses Angern spiegeln in exemplarischer Weise den sozialen und kulturellen Wandel des Adels im langen 18. Jahrhundert wider. Zwischen dem Rokoko-inspirierten Repräsentationskonzept unter General Christoph Daniel von der Schulenburg (†1763), der verwaltungstechnisch durchrationalisierten Ordnung unter Friedrich Christoph Daniel (†1821) und dem klassizistischen Umbau unter Edo von der Schulenburg (ab 1841) lassen sich klare strukturelle und ästhetische Entwicklungslinien feststellen. Die verfügbaren Inventare von 1752 (Rep. H 76) und 1821 (Rep. H 79) sowie die bau- und kulturgeschichtliche Beschreibung um 1845 erlauben eine vergleichende Analyse der sich wandelnden Raumfunktionen.
Im Zuge der stockenden Bauarbeiten am Schloss Angern im Herbst 1737 zeichnete sich ein wachsender Finanzierungsbedarf ab, den Christoph Daniel Freiherr von der Schulenburg nicht ausschließlich aus eigenen Rücklagen decken konnte. In einem Schreiben vom 16. Oktober 1737 (Gutsarchiv Angern, Rep. H Angern Nr. 412, Nr. 2) ersuchte sein Verwalter Croon den Bauherrn um die Zuweisung von weiteren 100 Louis d’or, um ausstehende Zahlungen an Handwerker zu begleichen und Materialvorräte für den Frühjahrsbeginn 1738 anzulegen.
Angern

Angern, Sachsen-Anhalt, Landkreis Börde. Heft 20, Berlin 2023 (ISBN: 978-3-910447-06-6).
Alexander Graf von der Schulenburg, Klaus-Henning von Krosigk, Sibylle Badstübner-Gröger.
Herausgeber: Deutsche Gesellschaft e.V.
Umfang: 36 Seiten, 59 Abbildungen.