Jakob II (1515-1576)

Die acht Söhne des Matthias III, die das erwachsene Alter erreichten, zeigten bis auf den jüngsten eine ausgesprochene Neigung zum Soldatenstand und nahmen an Kriegszügen teil, aus denen drei nicht zurückkehrten.

Der älteste Sohn, Jakob II (Nr. 294), geb. 25.3.1515 in Beetzendorf, gestorben 1576 in Magdeburg , ist neben Fritz VIII (Nr. 223) der zweite große Söldnerführer, den das schulenburg'sche Geschlecht in dieser Epoche hervorgebracht hat. Grundlage seiner Lebensbeschreibung ist die auf ihn gehaltene Leichenpredigt, aus der alle Späteren geschöpft haben. Schmidt hat sein Lebensbild um einige aus Archiven geschöpfte Mitteilungen bereichert, aber eine gründliche Geschichte des Lebens dieses großen Soldaten fehlt bisher.

Jakob II hat als Knabe die Universität Wittenberg besucht (415), dann in Prag und Paris studiert, gab das Studium aber auf und trat in das kaiserliche Heer unter Antonius de Leva zum Kampf gegen die Türken.

Diese nahmen ihn gefangen, doch löste ihn König Sigismund von Polen nach zwei Jahren aus und schenkte ihn seiner Tochter, der Kurfürstin von Brandenburg. Unter Joachim II. zog er im Anschluss an den Reichstag zu Speyer 1542 wiederum gegen die Türken und erntete beim Sturm auf Ofen die ersten kriegerischen Lorbeeren.

Nach dem Türkenfeldzug trat er vorübergehend in braunschweig-wolfenbüttelsche, dann wieder in kaiserliche Dienste, in denen er 1545 Rittmeister wurde. In diesem Jahre nahm er - unterstützt von Fritz VIII - an der Privatfehde des Martin von Waldenfels (416) wegen rückständiger Soldforderungen gegen den König von Dänemark teil, in deren Verlauf der evangelische Bischof von Lübeck, der dänische Edelmann Balthasar Rantzau, entführt wurde, um den König zur Zahlung zu drängen.

Jakob hatte den Bischof eine Zeitlang in Altenhausen in Gewahrsam. Waldenfels verfiel der Reichsacht, gegen Jakob erging Haftbefehl, auf Grund dessen er vorübergehend Gefangener des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen war, dem er 1546 Oktober 17 „wegen seiner Bestrickung" Urfehde schwören mußte (417).

Die Teilnahme an der waldenfelsschen Fehde mag der Grund gewesen sein, daß Jakob den kaiserlichen Dienst verließ und sich nunmehr dem Herzog Moritz von Sachsen zuwandte, in dessen Dienst wir ihn von 1547 bis 1552 finden. An allen kriegerischen Ereignissen dieser Jahre war Jakob auf Seiten des Herzogs und nachherigen Kurfürsten Moritz an entscheidender Stelle beteiligt:

  • 1547 in der Schlacht bei Mühlberg, die dem Kaiser und Moritz den Sieg über die Truppen des schmalkaldischen Bundes brachte,

  • Ende 1550 als kursächsischer „Feldmarschall" bei der Belagerung von Magdeburg,

  • 1552 als Rittmeister über von ihm im Auftrage des Kurfürsten geworbene Reiter bei dem Zuge gegen Kaiser Karl V.

  • Bei Ersteigung der Ehrenberger Klause und der Einnahme von Innsbruck durch Moritz tat er sich hervor.

1547 hatte ihn Moritz zum Amtshauptmann von Gommern, einer kursächsischen Exklave dicht bei Magdeburg ernannt; später traten noch die Ämter Plötzky und Elbenau hinzu. Von hier aus betrieb Jakob Werbungen für das kurfürstliche Heer.

1554 wird als Hauptmann in Gommern Adrian von Steinberg genannt, den er 1557 vor dem Zuge nach Ungarn am Tische derart stach, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wurde (418).

Nach dem Ausgleich zwischen Moritz und dem Kaiser durch den Vertrag von Passau ging Jakob im Herbst des Jahres 1552 mit den kursächsischen Truppen nach Ungarn, trat aber nach Beendigung des Feldzuges in den Dienst Herzog Heinrichs des Jüngeren von Braunschweig-Wolfenbüttel und kämpfte unter dessen Sohn Philipp Magnus als Rittmeister in der blutigen Schlacht von Sievershausen am 9. Juli 1553 gegen den wilden Markgrafen Albrecht Alkibiades von Brandenburg-Kulmbach. Die Sachsen und Braunschweiger erfochten einen völligen Sieg, aber Kurfürst Moritz wurde tödlich verwundet, Philipp Magnus und sein Bruder Karl Viktor blieben vor dem Feinde. Jakob stieg zur Würde eines braunschweigischen Oberst-Feldmarschalls auf.

Doch 1557 trat er wieder in kaiserliche Dienste und erhielt eine Bestallung als Oberstleutnant über die gegen den Erbfeind angenommenen 1624 Reiter, mit denen er zum vierten Mal gegen die Türken zog.

Ìber seine Tätigkeit in den folgenden Jahren ist nichts bekannt. Er scheint eine Verbindung mit dem Pfalzgrafen Wolfgang von Pfalz-Neuburg eingegangen zu sein, der ihn mit seinen Kriegsvölkern am 19. April 1563 entließ.

Sogleich trat er wieder in kursächsische Dienste und erhielt eine Bestallung als Rittmeister. Noch einmal nahm er 1566 kaiserliche Dienste unter Maximilian II. und zog als Oberst über vier Rittmeister und 1000 Reiter zum fünften Mal gegen die Türken.

Auf dem Rückmarsch durch Sachsen kamen die Truppen gerade zurecht, um gegen Gotha eingesetzt zu werden, in dessen Mauern sich sein geächteter Herzog Johann Friedrich mit dem aufrührerischen Reichsritter von Grumbach und dessen Anhang verschanzt hatte. Als des Kaisers und des Reiches Feldmarschall leitete Jakob die Belagerung, die im April 1567 zur Einnahme der Stadt führte. Grumbach wurde grausam hingerichtet.

Dies war Jakobs letzte Waffentat. Er erkrankte 1575 auf dem Reichstag zu Regensburg, starb im folgenden Jahr in Magdeburg (419) und wurde in der von ihm auf den Resten eines mittelalterlichen Gotteshauses in den Jahren 1566 - 1569 neu erbauten Kirche zu Angern (420) beigesetzt, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde.

Auf Jacob v.d. Schulenburg weist ein Gedenkstein an der Außenmauer der Angernschen Kirche mit dem Schulenburgschen Wappen aus dem Jahr 1569 hin:


Jacob v.d. Schulenburg .... erbaute diese Kirche .... 1569...

Durch den Kriegsdienst hatte Jakob ein großes Vermögen erworben, es gelang ihm aber nicht, seinen Erben ein weiteres Gut zu sichern. Er vergrößerte 1561 den Anteil seiner Linie an Angern durch Kauf der Hälfte des Anteils der mittleren Linie von Christoph III (Nr. 170).

Den Grafen von Mansfeld hatte er beträchtliche Summen geliehen, die sie ihm auf das Unteramt Schraplau verschrieben. Nach Abfindung der Mitpfandinhaber von der Malsburg (421) erhielt Jakob 1571 das Amt erneut zum Pfande. Seine Lehnserben konnten jedoch den Besitz wegen der darauf lastenden Schulden nicht behaupten und traten ihn 1620 ab.

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Quelle: Dietrich Werner Graf v.d. Schulenburg, Geschichte des Geschlechts von der Schulenburg 1237-1983